Folge 17 — Dreizehn Wochen Vorsprung

Dreizehn Wochen Vorsprung

Faktor Liquidität, die Erkennen-Folge: Ihr Kontostand in dreizehn Wochen. Wissen Sie das, oder hoffen Sie das?

Ein Dienstag im Februar, Sondermaschinenbau, etwa hundert Leute. Der Inhaber, Herr Vogt, legt Max den Auftragsbestand hin, und der ist gut: fünfzehn Monate ausgelastet, zwei große Projekte unterschrieben. Wir haben das beste Jahr vor uns, sagt er. Eine Stunde später sitzt Max bei seiner Buchhalterin. Auf ihrem Schreibtisch liegen zwei Stapel. Der linke geht raus. Der rechte wartet, bis der nächste Zahlungseingang da ist. Der rechte Stapel war der höhere. Herr Vogt wusste von diesen Stapeln nichts. Das Geld zwischen Auftragsbestand und Rendite hatte jemand anders im Kopf, und die hat nie jemand gefragt.

Gewinn und Geld sind zwei verschiedene Dinge. Die Tilgung steht in keiner Ergebniszeile, verschwindet aber vom Konto. Das Lager steht als Vermögen in der Bilanz und ist Geld, das in Stahl verwandelt wurde. Ein Unternehmen kann schwarze Zahlen schreiben und trotzdem jeden Monatsletzten zittern. Und je besser es läuft, desto größer wird die Lücke, denn Wachstum kostet Geld, bevor es welches bringt. Unter Druck werden Entscheidungen teuer: Drei Prozent Skonto verfallen lassen, um dreißig Tage später zu zahlen, entspricht rund siebenunddreißig Prozent Zinsen im Jahr. Der teuerste Kredit im Haus, und er taucht nirgends als Kredit auf.

In dieser Folge baut Max die Zahl, die Herrn Vogt gefehlt hat: dreizehn Wochen, Woche für Woche, mit dem Datum, an dem Kunden tatsächlich zahlen, nicht dem auf der Rechnung. Die Linie zeigt die engste Woche, und die liegt fast immer woanders, als der Inhaber vermutet hätte. Sven stellt die Frage, die mit der Tabelle nichts zu tun hat: Wer in Ihrem Unternehmen kann Geld binden, ohne Sie zu fragen? Dazu drei Grenzen, die ab dem nächsten Tag gelten, und am Ende die Auflösung, was sich bei Herrn Vogt geändert hat, nachdem er die beiden Stapel zum ersten Mal selbst gesehen hat.

1. Die sechs Leitfragen

Ihr Kontostand in dreizehn Wochen: Wissen Sie das, oder hoffen Sie das? Welche Woche im nächsten Vierteljahr wird die engste? Wer in Ihrem Unternehmen kann Geld binden, ohne Sie zu fragen? Nicht ausgeben, binden: der Einkäufer, der wegen des Staffelpreises die Menge verdoppelt, der Projektleiter, der vor der Unterschrift bestellt. Ab welchem Betrag kommt eine Bestellung auf Ihren Tisch? Wer darf welches Zahlungsziel zusagen? Zehn Tage länger binden bei zehn Millionen Umsatz rund 270.000 Euro dauerhaft. Und wer ruft an, wenn ein Kunde nicht gezahlt hat, und ab welchem Tag?

2. Tag eins: Die letzten zwanzig Zahlungen

Weil die Vorschau diesmal das Thema der ganzen Folge ist, gehört Svens Nachmittag etwas anderem. Er geht mit der Geschäftsführung die letzten zwanzig Zahlungen durch, die das Haus verlassen haben, und fragt bei jeder, wer sie ausgelöst hat, aus wessen Bestellung oder Zusage sie entstanden ist. Wer sie am Ende freigegeben hat, interessiert dabei nicht. Nach zwei Stunden steht fest, an welchen Stellen das Kapital tatsächlich gebunden wird. Fast immer liegt mindestens eine dieser Befugnisse zwei Ebenen tiefer, als die Geschäftsführung angenommen hatte.

3. Drei Schritte für die nächsten zwei Wochen

Erstens: Bauen Sie die dreizehn Wochen. Eine Tabelle, dreizehn Spalten, keine neue Software. Bei den Eingängen das realistische Zahlungsverhalten eintragen, nicht das vereinbarte. Zweitens: Schreiben Sie die drei Grenzen auf eine Seite, Bestellbetrag, Zahlungsziel, Mahnung, und besprechen Sie sie mit den Betroffenen, bevor sie gilt. Wer vorher gefragt wird, verteidigt die Regel später gegenüber dem Kunden. Drittens: der feste Termin. Jeden Montagvormittag, fünfzehn Minuten, dieselbe Person, dieselbe Tabelle. Ihre Aufgabe für Montagmorgen: die erste Spalte.

Kennen Sie Ihre engste Woche?

Oder hoffen Sie, dass es reicht? Ein kostenloses Erstgespräch, kurz und unverbindlich: mit Max, wenn es um Zahlen, Liquidität und Finanzierung geht, mit Sven, wenn es um Führung, Organisation und Struktur geht.

Erst mal allein prüfen? Der Quickcheck: zwölf Fragen, keine zehn Minuten. 10finance.de/quickcheck