Dreizehn Wochen Vorsprung
Faktor Liquidität, die Erkennen-Folge: Ihr Kontostand in dreizehn Wochen. Wissen Sie das, oder hoffen Sie das?
Ein Dienstag im Februar, Sondermaschinenbau, etwa hundert Leute. Der Inhaber, Herr Vogt, legt Max den Auftragsbestand hin, und der ist gut: fünfzehn Monate ausgelastet, zwei große Projekte unterschrieben. Wir haben das beste Jahr vor uns, sagt er. Eine Stunde später sitzt Max bei seiner Buchhalterin. Auf ihrem Schreibtisch liegen zwei Stapel. Der linke geht raus. Der rechte wartet, bis der nächste Zahlungseingang da ist. Der rechte Stapel war der höhere. Herr Vogt wusste von diesen Stapeln nichts. Das Geld zwischen Auftragsbestand und Rendite hatte jemand anders im Kopf, und die hat nie jemand gefragt.
Gewinn und Geld sind zwei verschiedene Dinge. Die Tilgung steht in keiner Ergebniszeile, verschwindet aber vom Konto. Das Lager steht als Vermögen in der Bilanz und ist Geld, das in Stahl verwandelt wurde. Ein Unternehmen kann schwarze Zahlen schreiben und trotzdem jeden Monatsletzten zittern. Und je besser es läuft, desto größer wird die Lücke, denn Wachstum kostet Geld, bevor es welches bringt. Unter Druck werden Entscheidungen teuer: Drei Prozent Skonto verfallen lassen, um dreißig Tage später zu zahlen, entspricht rund siebenunddreißig Prozent Zinsen im Jahr. Der teuerste Kredit im Haus, und er taucht nirgends als Kredit auf.
In dieser Folge baut Max die Zahl, die Herrn Vogt gefehlt hat: dreizehn Wochen, Woche für Woche, mit dem Datum, an dem Kunden tatsächlich zahlen, nicht dem auf der Rechnung. Die Linie zeigt die engste Woche, und die liegt fast immer woanders, als der Inhaber vermutet hätte. Sven stellt die Frage, die mit der Tabelle nichts zu tun hat: Wer in Ihrem Unternehmen kann Geld binden, ohne Sie zu fragen? Dazu drei Grenzen, die ab dem nächsten Tag gelten, und am Ende die Auflösung, was sich bei Herrn Vogt geändert hat, nachdem er die beiden Stapel zum ersten Mal selbst gesehen hat.