Das zweite Standbein, bevor man es braucht
Faktor Markt, die Machen-Folge: Wie viel Prozent Ihres Umsatzes hängen an Ihrem größten Kunden? Und was haben Sie im letzten Jahr getan, damit es weniger wird?
Frau Lindner, Zulieferin, Drehteile, um die achtzig Leute, zweite Generation. März, Jahresgespräch mit der Bank. Das beste Jahr, das die Firma je hatte. Der Firmenkundenbetreuer blättert durch den Abschluss, nickt, lobt. Und dann, schon beim Zuklappen der Mappe, fast nebenbei: Achtunddreißig Prozent bei einem Kunden, das ist aber sportlich. Frau Lindner hat an dem Abend nicht gefeiert. Sie hat sich die Kundenliste ausgedruckt und an den Kühlschrank gehängt. Ihr Mann hat gefragt, was das soll, es laufe doch. Und sie hat gesagt: Eben. Jetzt kann ich es mir noch aussuchen.
Die meisten fangen mit dieser Frage erst an, wenn der Kunde schon angerufen hat. Dann sucht man sich nichts mehr aus, dann nimmt man, was kommt. Klumpenrisiko sagen die Banker dazu, dabei ist es etwas ganz Menschliches: Mit einem Kunden läuft es gut, man vertraut sich, und über die Jahre wird er immer größer, ohne dass das je einer beschlossen hätte. Bei Frau Lindner lag er vor zehn Jahren bei fünfzehn Prozent. Gewachsen wie ein Baum vorm Fenster: Man merkt es erst, wenn er das Licht nimmt. Aus der Praxis eine Faustregel: Ab etwa zwanzig Prozent bei einem einzelnen Kunden fangen andere an nachzufragen, die Bank, spätestens ein Käufer bei der Nachfolge.
Ein großer Kunde ist erst mal etwas Gutes, sagt Sven. Er kennt Betriebe mit vierzig Prozent bei einem Kunden, bei denen er ruhig schläft, und Betriebe mit fünfundzwanzig, bei denen ihm mulmig wird. Der Unterschied ist, ob es einen Plan gibt. In dieser Folge rechnet er die Reichweite vor: Wie viele Wochen trägt Ihr Konto, wenn der große Kunde ab nächstem Monat fehlt? Und er erzählt, wie Frau Lindner nicht versucht hat, den großen Kunden kleiner zu machen, sondern den Rest größer. Mit einer einzigen Frage, gestellt in der Halle, nicht im Büro.