Folge 15 — 40 Jahre Firma sind kein Kaufgrund

40 Jahre Firma sind kein Kaufgrund

Faktor Markt, die Erkennen-Folge: Die meisten Betriebe wissen nicht, warum ihre Kunden kaufen. Sie vermuten es. Ein Kunde, den keiner angerufen hat, und ein Werkstattmeister, an dem alles hing.

Montagmorgen, acht Uhr, Besprechungsraum eines Verpackungsbetriebs. Dritte Generation, an der Wand hängen Fotos vom Großvater vor der ersten Maschine. Beim Thema Umsatz blättert der Vertriebsleiter um und sagt, im selben Ton, in dem man sagt, dass der Kaffee alle ist: Ach ja, Berger bestellt ja seit März nichts mehr. Es ist Oktober. Sieben Monate. Berger war mal Kunde Nummer vier. Kein Streit, keine Reklamation, keine Kündigung. Sven lässt sich die Bestellhistorie ausdrucken, zwei Jahre zurück, und legt die Blätter nebeneinander: achtzehn Monate lang jeden Monat ein Stück weniger, gleichmäßig wie eine Treppe. Der Inhaber schaut zwei Minuten drauf und sagt: Das kam ja wohl nicht aus heiterem Himmel.

Warum sieht so etwas keiner, wenn die Zahlen doch im System liegen? Erstens schaut man auf den Gesamtumsatz, und der war in Ordnung. Der Rückgang des einen versteckt sich im Wachstum der anderen. Zweitens ist man im Mittelstand, gerade im B2B, höflich miteinander. Ein unzufriedener Kunde ruft nicht an und schimpft, er zieht weiter. Berger hat im Dezember davor noch eine Weihnachtskarte geschickt. Und dann die vierzig Jahre Firma auf Website, Briefkopf und Transporter. Für den Inhaber steckt ein Leben darin. Der Einkäufer mit drei Angeboten auf dem Tisch liest darüber hinweg. Er will wissen, ob Sie am Dienstag liefern, ob das Teil passt und wer ans Telefon geht, wenn es mal nicht passt. Tradition ist eine Geschichte, die man erzählt. Kein Grund zu kaufen.

Wie weit Vermutung und Wirklichkeit auseinanderliegen, zeigt Svens Probe zu Beginn eines Mandats: Er fragt den Inhaber, warum seine Kunden kaufen, und dann drei Kunden selbst. Ein Inhaber zählte auf: Qualität, fünfundvierzig Jahre Erfahrung, Meisterbetrieb. Der größte Kunde sagte: wegen Herrn Kowalski, dem Werkstattmeister. Der Inhaber wusste auswendig, wann Kowalski dreiundsechzig wird. In dieser Folge nehmen Max und Sven den Faktor Markt auseinander: Kundenwert, Wettbewerbsfähigkeit, Leistungsfähigkeit. Dazu die Angebotsquote, die sich bewegt, bevor der Umsatz reagiert, und warum „Preis" die bequemste Antwort ist, die es gibt. Am Ende: was aus Kowalski und was aus Berger geworden ist.

1. Die sechs Leitfragen

Wann haben Sie zuletzt einen Kunden gefragt, warum er bei Ihnen kauft? Kundenwert: Wenn Sie morgen zumachen, was wäre für Ihren Kunden dann schlechter? Wenn die ehrliche Antwort ist, er bestellt beim Nächsten und merkt es kaum, haben Sie eine Baustelle. Wettbewerb: Warum bestellt er bei Ihnen, wenn einer zwanzig Kilometer weiter dasselbe kann? Leistung: Liefern Sie jedes Mal, was Sie versprechen, bei Termin, Qualität und Erreichbarkeit? Angebote: Wie viele haben Sie letztes Jahr geschrieben, wie viele wurden Aufträge, und wissen Sie, warum Sie die anderen verloren haben? Treppen: Welcher Ihrer zwanzig größten Kunden kauft seit drei Monaten in Folge weniger?

2. Tag eins: Die Treppen suchen

Wenn bei Ihnen der Markt wackelt, fängt Sven so an: die Umsätze der zwanzig größten Kunden, Monat für Monat, zwei Jahre zurück. Dann sucht er die Treppen, genau das Muster, das bei Berger auf den Ausdrucken stand, nur für alle zwanzig auf einmal. Jeder Kunde mit drei Monaten Rückgang in Folge kommt auf eine Liste. Das ist eine Stunde mit einer Tabelle. Die Liste ist die Anrufliste für die erste Woche, der Inhaber telefoniert sie selbst ab. Es stehen fast immer mehr Namen drauf als erwartet. Dieselben Treppen sucht der Check-Tag in den Zahlen, bevor mit irgendjemandem im Betrieb gesprochen wird.

3. Drei Schritte für diese Woche

Erstens: Schreiben Sie Ihre fünf wichtigsten Kunden auf, nach Deckungsbeitrag, wenn Sie ihn pro Kunde haben, sonst nach Umsatz, mit der Notiz, den Deckungsbeitrag nachzuholen. Zweitens: Rufen Sie diese Woche drei davon an, persönlich, nicht per Mail und nicht über den Vertrieb. Eine Frage: Warum kaufen Sie eigentlich bei uns? Dann schweigen. Oft kommt nach der höflichen ersten Antwort eine zweite, und die ist die interessante. Drittens: Notieren Sie vorher, was Sie als Antwort erwarten, und schreiben Sie die Antworten wörtlich mit. Je weiter Zettel und Antworten auseinanderliegen, desto mehr haben Sie gelernt. Ihre Aufgabe für Montagmorgen: der erste der drei Anrufe.

Wissen Sie, warum Ihre Kunden bei Ihnen kaufen?

Oder vermuten Sie es? Ein kostenloses Erstgespräch, kurz und unverbindlich: mit Max, wenn es um Zahlen, Liquidität und Finanzierung geht, mit Sven, wenn es um Führung, Organisation und Struktur geht.

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