Der Engpass
Warum jeder Betrieb genau eine Stelle hat, an der alles hängt, und warum 400.000 Euro daran vorbeigehen können.
Freitagabend, 18:20 Uhr. Der Inhaber eines Zerspanungsbetriebs ruft Sven an und ist stolz: 400.000 Euro investiert, neue CNC-Maschine, doppelt so schnell wie die alte. Endlich könne er den Auftragsstau abarbeiten, den er seit Monaten vor sich herschiebt. Ein paar Monate später ruft er wieder an, und diesmal klingt er anders. Die Aufträge stauen sich immer noch. Die neue Maschine steht die halbe Woche. Als Sven in den Betrieb kommt, ist das Problem schnell gefunden, und es saß nicht an der Maschine. Es saß in der Arbeitsvorbereitung: ein einziger Mann, der jedes Programm schreiben musste, bevor überhaupt eine Maschine anlaufen konnte. Die schnellere Maschine hat nichts beschleunigt, weil der Stau eine Station vorher entstand. 400.000 Euro gegen ein Problem ausgegeben, das ganz woanders lag.
Das ist keine Dummheit und keine Faulheit. Der Mann hat gehandelt, Geld in die Hand genommen, ein Risiko getragen. Er hat die Medizin nur an der falschen Stelle verabreicht: Fleiß am falschen Ort. Und das ist in vielen Betrieben der Normalfall, denn ein Engpass versteckt sich. Er schreit nicht, er meldet sich nicht mit einer roten Lampe in der Auswertung. Er ist der leiseste Punkt im Unternehmen, nicht der lauteste. Der Stau davor ist sichtbar, die Stelle selbst wirkt unauffällig: eine Freigabe, eine Softwarelizenz, eine Person. Und jeder verbessert instinktiv dort, wo er sich am besten auskennt. Der Techniker die Technik, der Vertriebler den Vertrieb. Jeder poliert das Glied der Kette, das er kennt, und das ist meistens ein starkes. Die Kette reißt trotzdem an derselben Stelle.
Die gute Nachricht dieser Folge ist die stärkste der ganzen Trilogie: Ein Betrieb hat zu jedem Zeitpunkt genau einen Engpass. Wenn es nur einen gibt, gibt es auch nur einen Punkt, an dem Sie ansetzen müssen. Sie müssen nicht alles besser machen, nur diese eine Stelle finden. Max und Sven zeigen drei Fährten, die den Engpass aufspüren, warum am Ende der Spur überraschend oft der Inhaber selbst steht, und warum der Engpass nach der Lösung nicht verschwindet, sondern wandert. Dazu die drei Schritte, die aus einer Einmalübung eine Führungsgewohnheit machen, und der Satz, mit dem Sie den Engpass sichtbar machen. Das Arbeitsblatt führt Sie in einer Viertelstunde zu Ihrem eigenen.