Die Führungszahl
Warum ein Unternehmer, der jede Zahl im Kopf hat, trotzdem keine hat, die ihn führt – und wie Sie Ihre eine finden, sichtbar machen und mit ihr entscheiden.
Freitagabend, 18:20 Uhr. Max sitzt mit einem Mandanten am Besprechungstisch, sie machen Zahlen-Nachmittag, es ist später geworden als geplant. Vor ihnen liegen die Auswertungen. Der Mann kennt seinen Laden: Umsatz auf den Euro, wie viele Leute im nächsten Monat kommen und wie viele gehen, was der größte Kunde im letzten Jahr gemacht hat – auf eine Stelle nach dem Komma, aus dem Kopf. Dann kommt eine einzige Frage: Zeigen Sie mir die eine Zahl, an der Sie erkennen, ob Ihr Laden trägt. Nicht den Umsatz. Die Zahl, auf die Sie zuerst schauen, wenn es eng wird. Der Mann wird still. Er blättert in seinem Stapel, sucht, schaut verdutzt hoch und sagt: So eine Zahl habe ich gar nicht.
Das ist kein Einzelfall, das ist die Regel. In Betrieben, in denen die Steuerung nicht funktioniert, fehlt nie das Zahlenmaterial. Die BWA kommt jeden Monat, oft liegt sie ungeöffnet irgendwo. Der Jahresabschluss kommt im Mai oder Juni und sagt, dass das letzte Jahr etwas schwieriger war als das davor. Danke, das wusste man auch so. Was fehlt, ist die Entscheidung, welche Zahl führt. Der Unternehmer kennt seine Schauzahlen, also die, die er nach außen trägt: Umsatz, Deckungsbeitrag, Mitarbeiterzahl. Seine Führungszahl kennt er nicht, weil er sie nie festgelegt hat. Endlose Zahlen und keine Führung. Handlungsfähigkeit beginnt nicht bei den Daten. Sie beginnt bei einer Zahl, auf die Sie sich festlegen.
In dieser Folge drehen Max und Sven die Kapitaldienstfähigkeit aus Folge 9 um 180 Grad: Damals war die Zahl die Antwort auf eine fremde Frage, die Frage der Bank. Heute ist es die Zahl, mit der Sie selbst steuern. Sie zeigen, woran Sie eine Führungszahl erkennen, warum Umsatz und Gewinn bei diesem Test durchfallen und warum es die eine Führungszahl für alle nicht gibt: Drei Betriebe, drei völlig verschiedene Zahlen, zwei davon aus derselben Branche und derselben Umsatzklasse. Dazu ein Maschinenbauer, der sein Working Capital über diese eine Zahl um rund 15 Prozent verbessert hat, ohne einen einzigen Zusatzauftrag. Und die drei Schritte: die Zahl finden, sie sichtbar machen, sie zur Ampel machen. Das Arbeitsblatt führt Sie zu Ihrer eigenen.