Beirat besetzen
Kompetenz vor Herkunft: Warum ein Titel und 700 Mitarbeitende kein Können prüfen – und wie Sie ein Gremium besetzen, das Ihnen widerspricht, bevor es teuer wird.
Freitagabend, 18:20 Uhr. Sonst klingelt um diese Zeit Svens Telefon – diesmal hat er selbst gewählt. Auf seinem Tisch: eine Beiratsausschreibung. Familienunternehmen, Konsumgüter, dreistelliger Millionenumsatz, gesucht wird ein Beiratsmitglied mit Expertise im strategischen Vertrieb. So weit, so vernünftig. Dann die Voraussetzung, wörtlich: aktive Geschäftsführungsrolle in einem Unternehmen mit mindestens 700 Mitarbeitenden. Nur – was hat strategischer Vertrieb mit 700 Mitarbeitern zu tun? Die Zahl prüft die Visitenkarte, nicht das Können.
Kein Nischenthema: Fast acht von zehn Familienunternehmen haben heute so ein Gremium – vor gut zwanzig Jahren waren es vier von zehn. Aber besetzt sind die Gremien mit mehr vom Gleichen. Kaufmännisches und strategisches Wissen sitzt in praktisch jedem Beirat, jemand, der Digitalisierung wirklich kann, nur in jedem vierten. Wer nur Leute aus derselben Welt holt, aus der die Geschäftsführung selbst kommt, bekommt ein Gremium, das die eigene Sicht bestätigt: Fünf Menschen, die dieselben Branchenberichte lesen und dieselben Annahmen für selbstverständlich halten, übersehen auch dieselben Risiken. Wie eine Elf aus elf Stürmern – auf dem Papier stark, aber das Gegentor fällt da, wo keiner steht.
In dieser Folge rechnen Sven und Max vor, was ein guter Beirat bringt und ein schlechter kostet: die Beirätin aus der Logistik – kein Geschäftsführungstitel, dreißig Jahre Lieferketten –, die mit zwei Fragen einen 1,2-Millionen-Standortkauf stoppte und damit ihr Gremium für Jahre bezahlt hat. Das Deko-Gremium, das in fünfzehn Jahren keine einzige Vorlage abgelehnt hat. Und die drei Schritte zur richtigen Besetzung: erst die Aufgabe, dann die Kompetenzmatrix, dann die Namen – plus mindestens ein Unbequemer, der Ihnen widerspricht. Das Arbeitsblatt bringt Sie zu Ihrer eigenen Beirats-Matrix.