Folge 09 — Kapitaldienstfähigkeit

Kapitaldienstfähigkeit

Das eine Wort, das über Ihre Finanzierung entscheidet – bei der Hausbank genauso wie beim Mezzanine-Geber, der Beteiligungsgesellschaft oder dem Family Office.

Freitagabend, 18:20 Uhr, das Telefon klingelt. Ein Inhaber aus dem Sauerland, Metallverarbeitung, 50 Leute, 11 Millionen Euro Umsatz. Sein Bankentermin liegt drei Tage zurück, und eine Frage wird er nicht mehr los: Wie stellt sich denn eigentlich Ihre Kapitaldienstfähigkeit dar? Er führt den Betrieb seit über 18 Jahren – und wusste in dem Moment nicht, was er sagen soll.

Dieser Satz fällt gerade öfter: Vier von zehn Mittelständlern, die mit ihrer Bank über einen Kredit verhandeln, erleben die Bank als restriktiv – der höchste Wert, seit das gemessen wird. Und die Rechnung hinter dem sperrigen Wort macht nicht nur die Hausbank. Sparkasse, Volksbank, Beteiligungsgesellschaft, Family Office, Mezzanine-Geber – alle stellen am Anfang dieselbe Frage: Was bleibt in diesem Betrieb verlässlich übrig, und trägt das Zins und Tilgung? Die Rechnung selbst ist simpel, zwei Zahlen und ein Vergleich. Der Haken: Gerechnet wird nicht mit Ihrem besten Jahr, sondern mit dem schwachen. Und die Tilgung taucht in keiner Ergebnisrechnung auf – deshalb bekommen Betriebe ein Nein, die sich für kerngesund halten.

In dieser Folge rechnen Sven und Max vor: das Beispiel, bei dem aus 600.000 Euro Jahresergebnis am Ende 10.000 Euro Luft werden, der Mandant, den die eigene Kapitaldienstrechnung vor einem zu großen Mezzanine-Angebot bewahrt hat, und die drei Schritte, mit denen Sie die Rechnung zu Ihrer eigenen machen: die eine Seite, die zwei Stellschrauben, die Investitionsampel. Wer diese Rechnung im Kopf hat, führt das Bankgespräch – wer sie erst zusammensuchen muss, gibt die Deutungshoheit über den eigenen Betrieb ab. Das Arbeitsblatt bringt Sie auf Ihre eigene eine Seite.

1. Die eine Seite

Rechnen Sie Ihre Kapitaldienstfähigkeit selbst, bevor es jemand anders tut: nachhaltiger Überschuss – ohne Sondereffekte, nach Steuern, nach Entnahmen – gegen Zins und Tilgung aller Finanzierungen. Einmal normal, einmal mit 10 bis 20 Prozent weniger Umsatz. Eine Seite Papier, kein Gutachten.

2. Die zwei Stellschrauben

Schraube eins sind die Entnahmen: Jeder Euro Gewinn, der im Unternehmen bleibt, arbeitet doppelt – als Puffer und als bessere Bewertung. Schraube zwei ist die Kontoführung: Ihre Bank sieht Ihr Konto jeden Tag. Überziehungen und geplatzte Lastschriften bewertet eine Maschine – täglich, nicht erst im Jahresgespräch.

3. Die Investitionsampel

Vor jeder größeren Entscheidung – Maschine, Zukauf, Beteiligungsangebot – zuerst die eine Frage: Trägt mein nachhaltiger Überschuss den zusätzlichen Kapitaldienst auch in schwachen Jahren? Steht die Ampel auf Grün, verhandeln Sie aus der Stärke. Steht sie auf Gelb oder Rot, wissen Sie es, bevor der Geldgeber es weiß.

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